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Peißenberger Kletterer


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Am 28. August 2008 verunglückte die gerade einmal zwanzigjährige Peißenberger Kletterin Magdalena Mozart.








Erinnerungen an Magdalena

Irgendwann im Winter 2000/2001 kletterte Steffi's Jugendgruppe in unserer Halle. Ein Mädchen mit rotbraunlila Schnittlauchlocken fiel mir besonders auf. Was sie auch tat - ob sie kletterte, sicherte, oder anderen kurz mal eben das Seil sortierte - es wirkte souverän.

Und natürlich war Magdalena - so hieß das Mädchen - bald in meiner Kinderklettergruppe. Sie kletterte dort zunächst mit Andrea, kurze Zeit darauf folgten Sophia und später auch Yasmin und diese Viererbande war lange Zeit der Kern der Gruppe.



beste Freundinnen...


Magdalena im leichten Fels, aus bergauf-bergab


bergauf-bergab, nochmals eine Filmaufnahme


Andrea, Sophia und Magdalena: pitschnaß im Rofan


Magdalena - Jahre später...

Ein erstes highlight für Andrea, Magdalena und Sophia waren die Filmaufnahmen des Bayerischen Rundfunks für "Bergauf-Bergab" über das Klettern von Kindern im Sommer 2001. Den Film über „acht junge Tiger im Rofan“ mitsamt den daran verknüpften Erinnerungen habe ich die letzten Jahre immer wieder einmal angesehen.


Ein unvergeßliches Erlebnis bildete die Fahrt zum Hochwiesler in den Tannheimer Bergen im Mai 2002. Der Plan sah vor, daß Magdalena und Andrea mit der "Via Anita" eine alpine Kletter­route erstmals als selbständige Seilschaft durchsteigen.

Wie aufgeregt war ich in dem Moment? Denn im Fall - den man ja gar nicht andenken durfte - würde alle Welt wie selbstver­ständlich wissen, daß es einfach Wahnsinn ist, Kinder, ganz auf sich gestellt, mit Seil und Haken in eine steile Felswand zu schicken.

Das Erlebnis sind vordergründig diese drei, vier Stunden am Fels - die jedoch nie stattgefunden hätten ohne das Vertrauen und Vertrautheit gewinnen aus den vielen Monaten davor.

Seillänge um Seillänge zeigte, daß beide die Routine der Halle im Alpinen umsetzen. Magdalena, zwar weniger erfahren, war einfach die Ältere und machte das durch mentale Stärke wett. Klettern, Sichern, aber auch das Achten darauf, keinen Stein auszulösen: es wirkte souverän und machte die letzten Seil­längen zum puren Vergnügen.

Was - der Kenner weiß Bescheid - durch die anschließende Ab­seilerei natürlich getoppt wurde. Andrea und Magdalena stutz­ten nach den ersten Metern und dann ging es - juhu - freihän­gend hinunter bis zum Bäumchen. Und zurück am Einstieg am liebsten nochmal hoch. Nicht des Kletterns, natürlich des Absei­lens wegen.


Doch von diesem Tag an galt: eine Route nur top-rope zu klet­tern war langweilig. Magdalena, Andrea und Yasmin entwickel­ten sich zu richtig starken Kletterinnen, drinnen und draußen. Im Folgejahr 2003 nahmen sie an den Bayerischen Meister­schaften teil. Daß Magdalena mit ihrem zweiten Platz am Ende sogar recht erfolgreich war - Nebensache.

Wichtiger waren die Erlebnisse am Rand, wie etwa die Heimfahrt von Coburg. Der Wettkampf dort war für alle drei nicht optimal gelaufen. Die ersten 50 km herrschte Schweigen und die zweiten 50 km war es nicht viel besser. Magdalena, die älteste der drei, erholte sich am schnellsten.

Steffi hatte wegen ihres Studiums die Jugendgruppe inzwischen aufgeben müssen. Magdalena wollte einen Schein zum Jugend­leiter machen und die Gruppe neu ins Leben rufen. Andrea und Yasmin wollten sie unterstützen, natürlich. Und trai­nieren wollten sie, draußen klettern, alpine Routen natürlich, und, und, und...

Ja! Nicht irgendwelche unbedeutenden Platzierungen waren es, weswegen ich nach Coburg gefahren war. Es war die Hoff­nung auf genau diese Begeisterung -und Magdalena wurde ihr Sprachrohr.

Aus all den Vorsätzen und Plänen dieser Heimfahrt wurde we­nig. Andrea bekam zunehmend Probleme mit den Armen, Yasmin zog es nach Australien und Magdalena, die älteste von allen, machte Bekanntschaft mit der Welt der Hormone.

Eine Bekanntschaft, die innerhalb von Wochen zuvor Wichtiges zur Nebensache macht. Wenige Monate später gab es keine Viererbande mehr.

Es mögen wohl zwei Jahre vergangen sein bis zu jenem abendlichen Besuch in der Kletterhalle, an dem der sondierende Blick an einer Kletterin hängenblieb: "Nein, das gibt’s nicht! Die kenn' ich.Dieser Kletterstil ist unnachahmlich...".

Magdalena, die älteste von allen, sie kehrte als erste zum Klettern zurück. Und Magdalena kam von da an regel­mäßig, trat in den Hallendienst ein und als solches war es auch, daß ich sie zum letzten Mal gesehen habe...

Heute - am 3. September 2008 - ziehen immer wieder Bilder und Kurzfilme durch den Kopf. Von rotbraunlila Schnittlauchlocken, von acht jungen Tigern im Rofan, von unnachahmlichen Kletterstilen ...

Hans







Juli 2010:     Tears in Heaven

Mittlerweile sind fast zwei Jahre seit dem Unfall vergangen, doch die Bilder sind immer noch vorhanden. Vielleicht nicht mehr in der Häufigkeit von damals, aber trotzdem immer wieder präsent. Zu den Bildern hat sich ein Lied eingebrannt: als Ausklang des Requiems wurde Eric Clapton's traurig-schönes "Tears in Heaven" gespielt, mit dem sich die Familie von ihrer Tochter, ihrer Schwester verabschiedete.



Einige Tage nach Magdalenas Unglück waren wir in den Bergen unterwegs. Seinerzeit war es gerade zwei Wochen her, daß Andrea und ich unsere "Papi-Tochter-Route" erstbegangen hatten. "Jetzt müß' mer noch eine Route machen - für Magdalena". Andrea nickte nur wortlos, doch in dem Fall bedeutete das ein entschiedenes und unbedingtes "Ja, das machen wir".

Und der Name der Tour stand bereits fest, noch ehe wir uns um das wie und wo Gedanken gemacht hatten. "Tears in Heaven" sollte sie heißen, wie der Ausklang des Gottesdienstes.

Heute, am 8. Juli 2010 war es endlich so weit. Am Nordwestsockel des Breitenkopfes im wunderschönen Gaistal gelegen, beendeten Andrea und ich heute unsere neue Kletterroute "Tears in Heaven", die wir der Erinnerung an Magdalena widmen.

Hans