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Oktober 2011: asckaal, olau wa-alwaan

Formen, Licht und Farben






Bilder einer Nicht-Kletterreise zwischen Totem Meer und Rotem Meer


Die letzte Oktoberwoche verbrachten Agathe und ich in Jordanien. Die ersten Tage hielten wir uns in der Umgebung der Hauptstadt Amman auf: wer alte Steine besichtigen möchte, kommt da auf seine Kosten. Für diese Seite ist aber vor allem die zweite Wochenhälfte im Süden des Landes interessant: zunächst in der berühmten Felsenstadt Petra und danach das auch unter Kletterern bekannte Wadi Rum.

Beginnen wir in Petra: der Historienmensch kommt aus dem Staunen über die aus den Felswänden gemeißelten Bauwerke nicht heraus. Genauso geht es dem Klettermenschen beim Betrachten der natürlichen Felsen, und weil es dann auch noch die Fotographiererei gab, kam glatt etwas wie Streß auf   :-)     Klettern darf man hier natürlich nicht - auch wenn Fake-Photo's aus den Untiefen des Internets das so zeigen.

Aber nicht nur Meißelarbeiten bekommst du in Petra zu sehen.


Hier ansässig gewordene Beduinen bieten alles mögliche an: Getränke, bunte Steine, Postkarten, Halsketten, Ringe, Tücher, Taschen oder auch eine Wasserpfeife. Egal aus welchem Winkel der Welt du kommst - sie lesen es dir irgendwie von der Stirn ab und sprechen dich in deiner Muttersprache an: "guck' mal hier, ganz billig - nur ein Dinar". Pferde warten auf einen Reiter, auch Esel und Kamele warten drauf - und natürlich auf Dinar's.


oben: eindrucksvolle antike Steine
rechts: große und kleine Händler: "guck' mal hier: ..." :-))



Und Katzen! Überall in Petra findest du Katzen. Alle sehr gepflegt und herausgeputzt. Aber sie reagieren dort anders als die Tiere hier bei uns: kaum stellen sie fest, daß du sie ansiehst, kommen sie laut maunzend zu dir gelaufen. Anfangs wirst du dich noch wundern. Doch spätestens beim zweiten deutlichen Hinhören wird es dir klar.

Es ist kein normales "miau", das du hörst - die Katze spricht zu dir:

"zweimal streicheln, ein Dinar!"


*
x Nun aber endlich zur Hauptsache!

Das Gestein in Petra ist Buntsandstein und anzutreffen in den bizarrsten Auswaschungen und Verwitterungsformen. Obwohl man es ja nicht darf, aber "Kletter mich" ruft es aus allen Richtungen.

In der Fotoserie links findest du einige "unüberhörbare" Bei­spiele...




Sind die Formen schon beeindruckend, so sind es die Farben noch viel mehr. Aus unserer Gegend kennt man Buntsandstein im Wesentlichen als rot mit Nuancen gegen rosa oder braun - soviel zum Thema "bunt" bei uns.

In Petra findest du fast alle Farben. Eher rar sind gelb oder manchmal auch goldene Adern - aber wo sie vorkommen, findest du sie zumeist in Kombination mit Fels ausgeprägter Farbigkeit. Beispiele siehst du in der Bilderserie unten links. Wenig überraschend: sehr viel häufiger triffst du auf Variationen von rosa, und dabei immer wieder sehr schön die Kombination mit blau-Tönen. In der Bildfolge unten rechts auch dafür ein paar Beispiele.

Man könnte meinen, als hielte die Natur mit einem Lächeln einen wohlgemeinten Rat an alle abstrakten Künstler bereit:

"Ist ja ganz nett was ihr so malt. Aber ich mache das seit Anbeginn der Welt und kann es besser..."


Der letzte Tag führte uns von Akaba kommend in ein Beduinen-Camp im Wadi Rum, aus dem wir auf fliegenden Teppichen mitten in die Wüste gelangten.

So weit das Auge reicht: ebener Sand, aus dem Sandsteinklötze ragen: fünfzig Meter, hundert Meter, aber auch immer wieder richtige Berge mit ein paar hundert Metern Wandhöhe. Das Kletterherz, oder sollte ich sagen "Kletterauge", kann sich kaum davon lösen: Windschliffplatten, Risse und Verschneidungen, wohin man auch immer blickt. Absolut bizarr: viele Türme, Pfeiler sehen aus, als hätte man sie mit Tortenguß überschüttet, der dann beim Herunterfließen zu Sandstein erstarrt ist.


Im Gegensatz zum umtriebigen Petra waren wir, genauer gesagt unsere Reisegruppe ganz allein im weiten Umkreis. Matthias, unser Reiseleiter lotste uns auf einen exponierten Felsen und hielt uns an, für zehn Minuten absolute Stille zu halten und zu horchen.

Und richtig: nach ein paar Minuten hörte man, obwohl fast windstill das Brechen des Winds an den Felsformationen, entferntes Vogelzwitschern oder das Zirpen vereinzelter Insekten.

Das lauteste Geräusch allerdings war nur für mich hörbar. Aus den Windschliffplattenwänden, den Tortengüssen wie den Rissen und Verschneidungen tönte es:

"kletter mich, komm her und kletter mich..."

Die fliegenden Teppiche drängten zur Eile, wir sollten ja zurück nach Amman und dann nach München.

Bei der Ankunft erwartete uns ein unerwartet goldenes Oktoberfinale, und es versprach: "endlich wieder Klettern". Nicht in Sandstein, natürlich in heimischem grauen Riffkalk, am besten eine Tour für Madl'n und für Buam ;-))


Grüße, Hans