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Spätsommer 2009

Yosemite Valley

So, nachdem ich jetzt schon die sechste Nacht im Observatorium sitze, und es außer Wolken eigentlich nichts zu sehen gibt, endlich ein paar Zeilen zu unserem Yosemite - Urlaub.

Am 29. August fliegen wir mit jeder Menge Gerümpel von München aus los Richtung San Francisco.

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Schon beim Zwischenstopp in Atlanta geht’s das erste mal zu BurgerKing, wir müssen uns ja kulturell a bissl anpassen damit wir nicht ganz so auffallen. Vielleicht war’s mit’m Klettern deswegen so zaach, wer weiß…


Von San Francisco aus fahren mit unserem noch richtig sauberen Mietauto (wird sich bald ändern) noch ein Stück Richtung Yosemite National Park. Weit kommen wir nicht, wir sind doch alle ziemlich fertig. Am nächsten Morgen decken wir uns noch bei WalMart mit Vorräten ein.





im Tal...Wie man von dem was es da gibt freiwillig länger als zwei Wochen leben kann, ist mir ein Rätsel, aber im Supermarkt daneben finden wir dann doch noch a bissl Gemüse und frisches Essen. Das Auto ist buchstäblich voll bis zum Rand und dank Waldbrand zieht sich unsere Anreise auch noch etwas hin.

Im Camp 4 angekommen erklärt uns ein nettes brasilianisches Pärchen, wie man länger als die offizielle eine Woche im Camp bleiben kann: jeweils nur einer in der Gruppe meldet sich an, das zweite Zelt wird zum Materialzelt erklärt und dann darf man sich nur nicht von den Rangern, die immer wieder Rundgänge im Camp machen erwischen lassen…

Klingt alles etwas albern, vor allem weil fast alle das gleiche machen, aber wenn man’s nicht so macht, wird man wirklich nach einer Woche rausgeschmissen - so wie die vier Traunsteiner, die wir in der ersten Woche kennen gelernt haben.






Aber wir sind ja zum Klettern da und deswegen geht’s gleich nach der Anmeldung im Camp los in den Klettergarten „Church Bowl“. Wie fast überall im Tal gibt’s hier praktisch keine Bohrhaken. Die Touren sind ein schöner Einstieg ins Klettern hier, 1 bis 2 Seillängen und nicht besonders schwer, aber vor allem in dem 5.7- Kaminriss (des heisst so ungefähr 5- ) den sich Michi und Thomas für den Anfang ausgesucht haben wird gleich klar: schwer ist hier leicht mal was, egal welchen Grad das ganze hat.

Am nächsten Tag wollen wir am Manure Pile Buttress (heißt wört­lich wohl soviel wie Pferdescheißepfeiler…) die „Nutcracker“ klettern: nur 6 Seilängen und auch nicht besonders schwer - ist wirklich eine schöne Einsteigertour. Nachmittags, nach der obligatorischen Strandpause am Merced River klettern Michi und ich den bekannten „Serenity Crack“ - 3 Seillängen bis 5.10d (etwa 7/7+), hauptsächlich an Fingerrissen. In der ersten Seillänge tun die Füsse im Riss noch verdammt weh, aber danach ist die Tour Genuss pur. Laura und Thomas klettern noch die „After Six“, die neben dem Nutcracker verläuft.

Gleich neben dem Serenity Crack geht’s am nächsten Tag zur „Royal Arches Route“ - für mich etwas enttäuschend da man doch sehr viel auf Bändern im Grünzeug unterwegs ist. Die Tour ist mit 14 Seillängen recht lang, und bei um die 30° im Talgrund waren wir am Schluss doch ziemlich ausgedörrt.

Beim Abseilen hat sich der Thomas dann noch einen kleinen Ab­stecher an einem alten Fixseil geleistet, das da wohl schon länger im Batz vor sich hingegammelt hat - hat im ATC wirklich lustig gespritzt und ausgeschaut haben wir wie die Schweine danach.

Nach einem Pausetag wegen Bocklosigkeit bei ¾ des Teams wollen wir uns dann mal den etwas größeren Projekten widmen:

Nächstes Ziel ist der East Buttress am El Capitan. Die Tour läuft ganz am rechten Rand der Wand und ist mit den „richtigen“ El Cap- Touren nicht zu vergleichen: sie ist kurz (13 Seillängen) und relativ leicht komplett frei zu klettern. Das Beste an der Tour ist der geniale Blick rüber in die arschglatte überhängende Hauptwand – und zum schauen war an dem Tag wirklich genug Zeit: trotz frühem Start sind wir den ganzen Tag hinter zwei ziemlich langsamen Engländern hergeklettert. Die Tour ist vor allem am Anfang recht knackig und schon in der ersten schweren Kaminlänge (5.9, also theoretisch etwa 6-/6) kommt man ziemlich ins Schwitzen.





Das Leben im Valley ist recht angenehm,
im Talgrund kommt man mit Shuttlebussen umsonst an die kleinen Läden und zur Dusche - die wirklich luxuriös ist und wenn das Personal am Eingang mal nicht hinschaut sogar umsonst ;-)

Im Camp muss man sich vor allem erstmal daran gewöhnen sein Essen immer in den bärensicheren Stahlboxen zu verstauen, die überall rumstehen. Nicht so sehr we­gen der Bären, sondern der Eichhörnchen, die's dutzendweise im Camp gibt und die wie die Ratten über alles essbare herfal­len, das sie kriegen können.

Nachdem wir eigentlich schon eine der Touren am El Cap klettern wollten, brau­chen wir dringend noch etwas Bigwall­erfahrung - und kurze technische Touren gibt’s im Valley genug. Unsere Wahl fällt auf das „West Face“ am Leaning Tower, relativ leicht und mit Abstand die über­hängendste Wand hier.


luftig



Die Tour beginnt von einem Band etwa 150m über dem Wandfuß, viel Luft nach unten ist also von Anfang an garantiert. Das merkt vor allem der Michi, der am frei hängenden Seil nachjümart und am Stand nach dem Aushängen der Selbstsicherung jedes Mal 10m ins Leere schwingt.

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Nach 3 Seillängen hat dann aber ein Teil des Teams erstmal genug von dem Ge­baumel und wir seilen wieder ab.



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Nach einigem hin und her geht’s dann doch noch los Richtung El Cap. Laura und ich klettern den „Freeblast“, also die ersten 10 Seillängen der „Salathé“: Geniale Kletterei, bis auf wenige Stellen lässt sich auch gut frei klettern.

Wir sind recht schnell oben und auch runter geht’s dank Fixseilen recht komfortabel. Am Abend haulen wir dann noch unseren Sack mit Wasser und Essen für 3 Tage den Fixseilen entlang zu den Heart Ledges.

Nach einer kurzen Nacht im Camp geht’s am nächsten Tag recht früh los, für Laura leider mit einem kleinen Bärenzwischenfall am Beginn der Fixseile…



Wegen des riesigen Andrangs Richtung Salathé wollen wir Richtung „Tripple Direct“ weiterklettern, einer Verbindungs­variante, die über die „Muir Wall“ zur „Nose“ quert. Es geht gut voran, wenn auch die (technische) Kletterei manchmal recht nervenaufreibend ist: in den feinen Rissen hat man meistens nur zwei passen­de Keile, das heißt, wenn man einen neuen gelegt hat, muß man den unteren wieder rausziehen und hoffen, daß der andere hält…



Mit Klettern hat die ganze Bastelei aber nicht wirklich viel zu tun, und während ich mich im Vorstieg pro Seillänge schon mal eine Stunde lang fürchten kann, ist’s der Laura am Stand wahrscheinlich furchtbar langweilig. Ist man dann mal am Stand angekommen und freut sich über zwei dicke Bohrhaken kommt der nächste unangenehme Teil: der Sack muss rauf! Also alles in allem einfach nur richtig viel Arbeit.

Der Blick nach unten wird immer eindrucksvoller und in der langen Traverse Richtung Nose bin ich dann auch in den leichten Freikletterstellen ziemlich verkrampft unterwegs - auch Laura ist sich da kurz mal nicht mehr so ganz sicher ob das ganze wirklich eine gute Idee war…

Eine Seillänge vor der Nose schlagen wir dann unser relativ komfortables Camp auf und sind nach einer Riesenportion Nudeln aus der Tüte auch recht bald eingeschlafen.

Morgens treffen wir nach einer Seillänge auf die Nose und sind auch recht froh dass wir nicht hier übernachtet haben - der Biwakplatz stinkt wirklich zum Himmel… Am Great Roof laufen wir auf zwei Amis auf, hinter denen wir bis zum Ausstieg herklettern. Sie sind aber nicht wirklich langsam und die viertel Stunde warten an jedem Stand tut meinen Nerven auch gut…das einzige Problem ist, daß ich jetzt jedes Mal vor dem Stand an ihrer „Poop Tube“ vorbei muß, die unten am Haulbag hängt. Das ist dank saftigen Geruchs fast die moralische Schlüsselstelle am Ende jeder Seillänge ;-)

Die Pancake Flake nach dem Great Roof ist eine der wenigen Seillängen, die sich hier - zumindest in unserem Zustand - freiklettern lassen: wie der Name schon sagt geniale Piazerei an einer hauchdünnen Schuppe.

In den Changing Corners kann ich mich dann noch mal ziemlich fürchten - hier passen auf 15m nur die zwei allerkleinsten Keile, und auch die machen meistens einen eher wackeligen Eindruck. 3 Seillängen vor dem Ausstieg wird’s dann dunkel, aber wir wollen auf jeden Fall raus - Biwakmöglichkeiten gibt es hier oben sowieso keine mehr. In der letzten Seillänge übers Abschlussdach zieht der El Cap dann noch mal alle Register um uns zu nerven, ich muss zweimal wieder abseilen weil der Haulbag festhängt, aber das ist jetzt auch schon egal. Wir suchen uns einen netten Biwakplatz am Gipfel und nach dem Gipfelbier - die Dose bekommen wir kaum auf - ist Schluss für den Tag. Der Abstieg am nächsten Morgen zieht sich gewaltig, aber zumindest geht’s nur noch bergab.

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19 Thomas und Michi hatten an der Nose leider weniger Glück. Sie sind gleich am ersten Tag mit ein paar Tschechen etwas aneinander geraten und nach der ersten Nacht dann doch lieber abgeseilt.

Am nächsten Tag geht’s zur Erholung über den Normalweg zusammen mit ein paar hundert anderen Touris auf den Half Dome, ist aber trotzdem ganz nett oben. Laura, Michi und Thomas haben genug vom Valley und verabschieden sich Richtung Las Vegas, ich bleibe lieber da und will in der letzten Woche noch ein paar kürzere Touren klettern.

Mit einem Freiburger und einer wirklich netten Gruppe Basken bin ich unter anderem noch am Higher Cathedral Rock, am „Good Book“ gleich oberhalb vom Camp und an der genialen „Hot Line“ am Elephant Rock. Und auch ein Ausflug zur „Separate Reality“ ist natürlich noch Pflicht. Mit den Basken geht’s zurück nach San Francisco wo ich die anderen drei dann auch wieder treffe.

Auch wenn die Kletterei im Yosemite sehr viel spezieller ist als man sich das von daheim aus vorstellen kann und man am Anfang doch oft ziemlich auf die Nase fällt, der Urlaub war auf jeden Fall genial! Ich kann das Yosemite wirklich jedem empfehlen der mit Friends und Keilen umgehen kann und will, ich bin auf jeden Fall bald wieder dort!!!



Gruß, Andi