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Peißenberger Kletterer

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Am Freitag, den 17. April 2009 verunglückte Konni Staltmayr in der Peißenberger Kletterhalle. Er überlebte den Absturz zwar zunächst, doch seine Verletzungen erwiesen sich als zu schwer. In der Nacht zum 07. Mai verstarb Konni im Unfallkrankenhaus Murnau.






Konni: vom "Totem-Pole" zurück auf's Festland


Erinnerungen an Konni

Oft geht es ja so: man begegnet sich, freundet sich an, und irgendwann später bleiben nur Erin­nerungen. Bei Konni ist das jetzt traurigerweise so ähnlich.

Ich kann nicht mehr sagen, bei welcher Gelegen­heit wir uns kennengelernt haben - es wird wohl irgendwann in der Halle gewesen sein. Worüber wir später noch öfter gelacht haben, war unsere erste Nicht-Begegnung.

1997, mein erstes Jahr in Peißenberg, war was Kletterkontakte betrifft ernüchternd: es gab eine Kletterhalle, ein Hallenteam, aber Kletterer für alpine Touren - Fehlanzeige. Oder waren sie nur gut versteckt? Ich erkundigte mich im Vereins­heim, auch das ergebnislos.

"Und mein Name ist wirklich keinem eingefal­len?" - "Nein, Konni, dich hat niemand genannt".


Konni in: Locker vom Hocker, Schüsselkarspitze/Wetterstein

Philipp/Flamm, Moderne Zeiten, Walkerpfeiler, Locker vom Hocker, Salathe, die deutsche Erst­besteigung der Annapurna - es ist müßig, die größten, gefährlichsten oder schwierigsten Rou­ten Konni's hier auflisten zu wollen. Aber daß bei meiner Frage niemand auf seinen Namen kam - es war einfach wirklich zum Lachen.

In den Folgejahren gab es langsam, aber von Jahr zu Jahr zunehmend immer mehr Kletterer mit alpinen Ambitionen, besonders aus der AV-Jugend, in deren Kreis sich Konni sehr wohl fühlte.

Im Gegenzug war Konni wegen seiner Erfahrung und seiner leutseligen Art äußerst beliebt bei allen, den Jungen und den schon bissl älteren...


Konni im antiquierten Outfit beim Faschingsklettern 2009

Meine letzte Begegnung mit Konni ist noch wie gestern:

mit Laura hatte ich für Mittwoch nach Ostern ausgemacht klettern zu gehen. Martin wollte auch mit und so sinnierten wir über eine vierte Person. Konni?

Natürlich - Konni. Natürlich hatte Konni Zeit, zumal das Wetter einen letzten schönen Früh­lingstag versprach.

Am nächsten Morgen holte ich alle ab und wir fuhren wieder einmal an die Burschlwand bei Landeck. Konni und Laura gingen zunächst die "Donna Dolores" - die vielleicht schönste Route an der Wand und als zweite Tour den "Pen­sionistenweg".



Die Rückfahrt lief wie von selbst. Konni war der letzte, den ich zu Hause ablieferte. Er stellte, rein rhetorisch versteht sich, die Frage nach einem Bier. Natürlich verlangte ein Tag so entspannten Kletterns einen würdigen Abschluß.

Konni brachte auch noch eine Brotzeit, er zeigte mir ein Stück Fels aus dem Gritstone und holte dann sein jüngstes Beutestück, einen eisenhar­ten Brocken Sandstein von seiner Australien­reise im vergangenen Winter.

Er erzählte dieses und jenes und natürlich blieb es auch nicht bei einem Weißbier.

Beim zweiten Bier wechselte ich das Thema. "Wir haben bei uns ja alle möglichen Kurse, was aber fehlt ist so etwas wie "behelfsmäßige Bergrettung" oder "was Tun im Unglücksfall". Was sollte man in so einem Kurs überhaupt zeigen und wovon besser die Finger lassen?



Konni stutzte kurz, und dann war zu merken, daß auch bei ihm ein Punkt berührt war, der ihn offensichtlich öfter schon beschäftigt und beunruhigt hatte. "Gerade für alle unsere Jungen - einen solchen Kurs würde ich sofort machen."

Wir kamen vom hundertsten ins tausendste und stellten fest, daß wir für dieses Thema wohl noch manches Bier benötigen würden, um ein Konzept dafür zusammenzustellen.

"Das vertagen wir auf ein anderes Mal, ich muß ja noch fahren." So verabschiedete ich mich, "wir sehen uns Montag".

Daß es ganz anders kam, läßt uns alle traurig und betroffen zurück.

Hans




Konni am Gipfel des Geiselsteins



Das Jubiläumsbuch...

Wie immer, so notierte Konni auch die Kletter­routen unseres Ausflugs an die Burschlwand am 15. April in sein Tourenbuch. "Burschlwand, Pensionistenweg mit Laura", mit diesem Eintrag endete das Buch - bis auf die letzte Seite gefüllt.

Über die Jahre war es das mittlerweile 24-ste Tourenbuch. Wenn Konni das nächste Mal vom Klettern zurück kommen würde, müßte er ein Neues beginnen, das dann 25-ste, sozusagen sein Jubiläumsbuch.

"Nein!" Das Schicksal widersprach unmißver­ständlich. "Zwei Dutzend Bücher sind genug. Es gibt kein Jubiläumsbuch!"

So wurde der "Pensionistenweg" Konni's letzte Klettertour. Wer hätte das an diesem Tag für möglich gehalten...





Konni in: Hasse-Brandler, Große Zinne/Sextener Dolomiten



August 2018...

Als Andrea und ich im Sommer 2010 die Route "Tears in Heaven" zum Andenken an Magdalena fertiggestellt hatten, war eines längst klar: es muß auch eine entsprechende Tour für Konni geben.

Nur war das im Fall von Konni sehr viel schwieri­ger: ein so erfahrener und überregional bekann­ter Bergsteiger kann nicht mit "irgendeiner" Rou­te bedacht werden. Es müssen dann schon "sehr schwer" und "sehr schön" zusammentref­fen. Und so etwas will erst gefunden sein!

Schwarze Wand

Die "Schwarze Wand" oberhalb der Höllental­angerhütte zählt zu den schwierigsten Wänden im Wetterstein und im weiten Umkreis. Die Fels­qualität dort ist von der Kategorie "Traumfels". Franz Wagner und mir gelang nach Vorarbeiten in 2014, 2015 und 2016 im August 2018 die Fertigstellung einer Neutour im rechten Wand­teil, die wir dem Andenken an Konni widmen.

Der Routenname war im Grund bereits klar, noch bevor wir das erste Mal ins Höllental hochliefen: Konni's fünfundzwanzigstes Tourenbuch, eben "das Jubliläumsbuch", das Buch, das nie ge­schrie­ben, nie begonnen wurde - das sollte den Namen der Tour hergeben.

Hans




Ausführlicher nachzulesen hier: