|M|   |V|


Februar 2010

Kletterreise nach Marokko

Mitte Februar 2010 flogen Johannes und ich für 2 Wochen nach Marokko zum Klettern in die Todra-Schlucht im Atlasgebirge. Unser Zielflughafen war Marrakesch. Abgesehen von dem Schneesturm bis München war die Anreise recht unkompliziert (Flug über Madrid). Nach der Landung in Marrakesch hatten wir dann beide gleich ein breites Grinsen im Gesicht angesichts des sehr angenehmen Temperaturunterschieds von ca. 30°. Marrakesch ist auf jeden Fall eine sehr interessante Stadt und es wäre schade, so weit zu reisen und sich nicht auf diese faszinierende Kultur einzulassen.



Wir lassen uns an dem ersten Abend durch die engen und mit Waren vollhängenden Gassen der Souks treiben und üben uns (noch ziemlich erfolglos) in Feilschen.

Am nächsten Tag fahren wir mit dem Bus nach Tinerhir. Die Fahrt dauert ca. 8 Stunden und die Strecke führt landschaftlich teilweise recht schön und in vielen Serpentinen über den Hohen Atlas. Unterwegs werden kleine Speitüten verteilt, die bei einigen Einheimischen mit Fleiß benutzt werden.

Von Tinerhir sind es noch ca. 14 km bis zur Schlucht. Der öffentliche Transport dahin läuft über Sammeltaxis in Form von alten Mercedeslimousinen, in die sich bis zu 8 Leute quetschen. Beim ersten Mal können wir kaum glauben, dass vorne echt vier Leute in einem normalen PKW platz finden können, doch es geht und irgendwann spürt man den Türgriff oder den Ellenbogen des Nachbarn im Kreuz gar nicht mehr...

Obwohl wir eigentlich in einem anderen Hotel direkt in der Schlucht absteigen wollten, lernen wir unterwegs (schon auf der Busreise nach Tinerhir) zwei nette Einheimische kennen, die uns das Hotel ihres Onkels kurz vor der Schlucht empfehlen.

Die Überredungskünste, aber auch die Gastfreund­schaft der Leute ist wirklich einmalig und daher stimmen wir zu. Später hören wir von anderen Kletterern, daß fast jeder in einem anderen Hotel als ursprünglich geplant landet, weil er unterwegs jeman­den kennenlernt, der einen Onkel / Freund / Nachbarn etc. als Hotelbesitzer hat. Die Unterkunft ist aber echt okay und wir bleiben die restlichen Tage dort.



Das Ambiente in der Schlucht und drum herum ist wirklich toll. An der engsten Stelle ist die Schlucht vielleicht 10 m breit und geht steil bis 350 m hoch. Es verlaufen ein kleiner Fluß und eine Straße durch, wobei die Straße angeblich andauernd repariert wird, weil der Fluß wohl doch nicht immer so klein ist.


oben: der nördliche Eingang der Schlucht vom Sektor Elephant aus gesehen

Am ersten Klettertag geht’s zur Eingewöhnung zum Petit Gorge. Dieser Sektor liegt etwas außerhalb der Schlucht und bietet überwiegend sehr gut abge­sicherte Sportkletterrouten in allen Schwierigkeits­graden beidseits der Straße.



Die Auswahl an Routen lässt kaum Wünsche offen, das Ambiente ist fantastisch und das Wetter perfekt.

Außer uns beiden sind nur drei Seilschaften in dem Sektor unterwegs.

Am nächsten Tag wollen wir was Längeres machen und entscheiden uns für den berühmten Pelier du Couchant, einem 300 m hohen Pfeiler mitten in der Hauptschlucht.



Wir wählen die Route Voie Albert, 10 SL, 6a, sehr homogen. Die Kletterei ist sehr schön, der Fels meist super, die Absicherung unterschiedlich. Unten sind oft neuere Bohrhaken vorhanden, weiter oben sind teilweise nur noch die Standplätze gebohrt.


Hannes irgendwo auf dem Weg nach oben.

Wir klettern noch einen Tag im Sektor Elephant mit einigen sehr guten Mehrseillängen-Routen. Der Fels ist extrem rau und fordert viel Haut von den Fingern.


Extrem rauher Fels im Sektor Elephant.

Um die Haut regenerieren zu lassen und auch etwas vom Land zu sehen, beschließen wir, zwischendurch eine zweitägige Wüstentour von Merzouga aus zu machen.



Die dazu passenden Kamele haben wir unterwegs auch bald gefunden. Nur ist das ohne Führer eher blöd in einer Wüste, die man nicht kennt. Daher haben wir uns einer Gruppe angeschlossen, der auch vier Südtiroler angehörten, die ebenfalls in der Todra klettern waren.



Kamelreiten ist für 1 bis 2 Stunden ganz entspan­nend, aber es kann auch recht monoton werden. Eine Nacht in der Wüste und vor allem der Sonnenauf- und -untergang sind jedoch sehr faszinierend, auch wenn dabei zwar auch nicht viel passiert, aber die Stimmungen und die Einsamkeit in dieser feindlichen Umgebung haben schon eine eigenartige Wirkung auf einen.



Zum Beispiel fängt man an, Käfer zu fotografieren, für die man sich sonst eher weniger interessiert…



Nach der Wüste geht’s wieder auf direktem Wege zurück in die Schlucht und an die Felsen. Die restlichen Tage verbringen wir in verschiedenen Sektoren. Sehr gute Base Climbs finden wir u. a. in "Jardin d´ Hiver" und "Trainee Blanche".


Hier mühe ich mich gerade mit der "Hilti Fada" ab (7a+).


Johannes in "Mur du Scorpion"

Im Sektor Mur du Scorpion klettern wir die gleich­namige Route (6 SL, 6c), die gar nicht so schlecht ist, aber nach oben hin etwas brüchig wird. Die dritte SL ist mit einem luftigen Quergang sehr schön. Skor­pione haben wir zum Glück keine gesehen.


Johannes im Nachstieg der 4. SL einer namenlosen 6c.

Und dann sind die Tage auch schon wieder vorbei und es geht nach zurück Marrakesch. Erst am Tag unserer Abreise aus der Schlucht merken wir, was für ein Glück wir mit dem Wetter hatten, denn es regnet jetzt das erste Mal und zwar in Strömen und die Flüsse (bzw. die Brücken darüber) werden unpassierbar.

So verlängert sich unsere Busfahrt zurück nach Marrakesch von 8 auf 14 Stunden, weil wir vor jedem reißenden Bächlein so lange warten, bis der Busfahrer sich traut darüberzufahren. Vorher macht er noch die unteren Gepäckluken an beiden Seiten auf (das Gepäck mußten wir vorher natürlich rausholen) und fährt durch die Flüsse, während die 60-tonnen schweren LKWs noch abwarten. Gegen Angst und Unwohlsein werden auch hier wieder kleine Speitüten verteilt…



Fazit:

Marokko ist zwar nicht der nächstbeste Ort mit den genialsten Felsen, aber ein Land, in dem man sehr viel mehr als Klettern erleben kann und den grauen Winter oder Arbeitsalltag für ein paar Tage wunderbar vergessen kann. Wer sich neben den Felsen auch für andere Länder und Kulturen interessiert, dem kann die Reise besonders für die kalte Jahreszeit wärmstens empfohlen werden.

Grüße, Georg