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Qualität und Quantität der Absicherung unserer Routen

Sicherheit des Hakenmaterials

In Routen, die ich federführend einrichte, setze ich ausschließlich 10mm Edelstahl-Bohrhaken (Express­anker, A2-Stahl) mit mindestens 75mm Länge. Im "Peißenberger Alpinklettergarten" und seinem über­wiegend leichteren Gelände wurden ausschließlich 90mm lange Haken verwendet.

Am Stand verwende ich zudem mindestens einen Anker mit 90mm Länge.

Um ganz korrekt zu sein: 2018 ist meine bisherige Bezugsquelle versiegt. Jetzt kommen Haken mit "nur" 86mm Länge zum Einsatz, nun in A4-Qualität. Stand­plätze bestehen seither aus zwei sol­cher Haken.

Die Empfehlung des DAV's, in Kalkgestein eine Min­dest­länge von 70mm einzuhalten, ist damit in jedem Fall (über-) erfüllt.

Vielleicht wundert sich mancher ein wenig über diese Milli­meter-Feilscherei. Damit hat es folgende Bewandnis:


Auch viele viele Jahre nach Herausgabe der "Bohrhaken­broschüre" des DAV's wurden im Fachhandel Express­bohrhaken mit 55mm Länge angeboten, darunter auch von namhaften Firmen wie z.B. Petzl.

Bei diesem Hakentyp ist es so: sie "haften" nicht über die volle Länge, vielmehr halten sie nur in einer schmalen, ringför­migen Zone im Felsinneren, in der sich ein "Spreng­ring" gegen den Fels verkeilt. Es gibt eine simple Faust­regel, wo dieser Bereich sitzt:


      Der Haken verkeilt sich in einer Tiefe von Haken-
      länge minus 25mm gegen den Fels



Im letzten Beispiel sind das gerade einmal 3cm: wenn bei extremer Sturzbelastung eine Kraft bis 2t auftritt, so genügt ein Felsausbruch von der Größe eines halbierten Hühnerei's zum Totalversagen. Andersherum formuliert: die Felsquali­tät muß so hervorragend sein, daß ein Hühnerei aus Stein einer Kraft von zwei Tonnen standhält.

Bei einer Hakenlänge von 65mm sprechen wir bereits über Faustgröße, bei 75mm brauchen wir, landläufig gesprochen bereits Abortdeckelpratzen und bei 90mm auch noch deren zwei...

Das also ist der Millimeter Kern :-))


Das Anbringen rostfreier Bohrhaken ergibt nach heu­tigem Kenntnisstand die zuverlässigsten Sicherungs­punkte. Dennoch sind Fälle bekannt, in denen sie ver­sagen, beispielsweise verursacht durch unterschied­lichste Ausprägungen von Materialversagen inklusive Fehler im Felsinneren, die von außen nur bedingt er­kennbar sind.

Nicht zuletzt möchte ich darauf hinweisen, daß die Haken im Vorstieg aus der Kletterstellung heraus ge­setzt werden, kommt schon vor, daß es da pressiert.

Ja, Bohrhaken sind das Zuverlässigste was es gibt. Dennoch, ein Quantum Mißtrauen ist sachlich angebracht und in jedem Fall ein positiver Beitrag zur Lebenserwartung.

In Touren, bei denen Abstieg durch Abseilen über die Kletterroute vorgesehen ist, wurden die Standhaken mit einer Seilverbindung versehen. Sofern nicht an­ders angegeben, ist diese seit dem Einrichttag dort und Wind, Wetter, Steinschlag oder sonstigen Ein­wirkungen ausgesetzt.

Die Verbindung dient nur der Redundanz beim Absei­len. Zur Sicherung beim Klettern ist es ratsam, die Haken ggf. ein zweites Mal, z.B. in Reihenschaltung zu verbinden.

Für die Position der Haken gibt es als oberste Regel: "im besten Fels weit und breit". Im Prinzip kann daher z.B. die beste Erreichbarkeit beim Klettern auf Prio 2 zurückfallen.

Beim Anbringen der Standhaken wurde einer persön­lichen Vorliebe der Vorzug gegeben: wenn die vorige Regel es erlaubt, sitzen die Haken so, daß "Körper­sicherung am Stand" die optimale Methode darstellt. Weil dann die Haken sehr hoch sitzen wurde ich schon gefragt, ob ich die Graspolster schonen wolle. Nein, das ist nicht so :-))

Ob eine Tour schlecht, mittel, gut oder völlig über­trieben abgesichert ist, über diese Frage kann man lange diskutieren - am besten aus subjektiven Stand­punkten und sturen Blickwinkeln heraus.

Der bessere Weg in meinen Augen ist: präzise Rou­tenbeschreibungen anfertigen und diese genau lesen. Als Lesehilfe biete ich ergänzend folgende Formeln:


(★) lese die Kletterstrecke der jeweiligen Seillänge und dividiere diese Zahl durch die um eins erhöhte Anzahl der angegebenen Zwischensicherungen. Jetzt kennst du den typischen Abstand der Sicherungs­punkte.

(★) subtrahiere von dieser Strecke zwei Meter und du erhältst den Weg, den du im angegebenen Schwierig­keitsgrad außer Reichweite von irgendwelchen Haken in jedem Fall frei klettern mußt.

(★) multipliziere den typischen Hakenabstand mit zwei und du erhältst die Sturzhöhe, mit der in der Route zu rechnen ist.


Jetzt hast du objektive Maßangaben, die du gerne subjektiv für dich eingruppieren kannst.