Am Freitag, den 17. April 2009 verunglückte Konni Staltmayr in der Peißenberger Kletterhalle. Er überlebte den Absturz zwar zu­nächst, doch seine Verletzungen erwiesen sich als zu schwer. In der Nacht zum 07. Mai verstarb Konni im Unfallkrankenhaus Murnau.





vom "Totem-Pole" zurück auf's Festland



Hasse-Brandler, Große Zinne/Sextener Dolomiten


Locker vom Hocker, Schüsselkarspitze/Wetterstein


Riß- und Verschneidungsklettern, Australien



Das Jubiläumsbuch...


Wie immer, so notierte Konni auch die Kletterrouten unseres Ausflugs an die Burschlwand am 15. April in sein Tourenbuch. "Burschlwand, Pensionistenweg mit Laura", mit diesem Eintrag endete das Buch - bis auf die letzte Seite gefüllt.

Über die Jahre war es sein mittlerweile vierundzwanzig­stes Buch. Wenn Konni das nächste Mal vom Klettern zurück kommen wür­de, müßte er ein Neues beginnen, das dann fünfundzwanzigste - sein Jubiläumsbuch sozusagen.

"Nein" widersprach das Schicksal unmißverständlich. "Zwei volle Dutzend Bücher sind genug. Es gibt kein Jubiläumsbuch!"

So wurde der "Pensionistenweg" Konni's letzte Kletter­tour. Wer hätte das an diesem Tag für möglich gehal­ten...





Sitz des Zeus, Schaufelspitze/Karwendel


Kofel, Ammergauer
Erinnerungen an Konni

Oft geht es ja so: man begegnet sich, freundet sich an, und irgend­wann später bleiben nur Erinnerungen. Bei Konni ist das jetzt trauri­gerweise so ähnlich.

Ich kann nicht mehr sagen, bei welcher Gelegenheit wir uns kennen­gelernt haben - es wird wohl irgendwann in der Halle gewesen sein. Worüber wir später noch öfter gelacht haben, war unsere erste Nicht-Begegnung.

1997, mein erstes Jahr in Peißenberg, war was Kletterkontakte betrifft ernüchternd: es gab eine Kletterhalle, ein Hallenteam, aber Kletterer für alpine Touren - Fehlanzeige. Oder waren sie nur gut versteckt? Ich erkundigte mich im Vereinsheim, auch das vergeblich.

"Und mein Name ist wirklich keinem eingefallen?" - "Nein, Konni, dich hat niemand genannt".


Philipp/Flamm, Moderne Zeiten, Walkerpfeiler, Locker vom Hocker, Salathe, die deutsche Erstbesteigung der Annapurna - es ist müßig, die größten, gefährlichsten oder schwierigsten Routen Konni's hier auflisten zu wollen. Aber daß bei meiner Frage niemand auf seinen Namen kam - es war einfach wirklich zum Lachen.

In den Folgejahren gab es langsam, aber von Jahr zu Jahr zunehmend immer mehr Kletterer mit alpinen Ambitionen, besonders aus der AV-Jugend, in deren Kreis sich Konni sehr wohl fühlte. Im Foto unten Konni im antiquierten Outfit beim Faschingsklettern 2009 mit Nine. Im Gegenzug war Konni wegen seiner Erfahrung und seiner leutseligen Art äußerst beliebt bei allen, den Jungen und den schon bissl älteren...


Meine letzte Begegnung mit Konni ist noch wie gestern:

mit Laura hatte ich für Mittwoch nach Ostern ausgemacht klettern zu gehen. Martin wollte auch mit und so sinnierten wir über eine vierte Person. Konni? Natürlich - Konni. Natürlich hatte Konni Zeit, zumal das Wetter einen letzten schönen Frühlingstag versprach.

Am nächsten Morgen holte ich alle ab und wir fuhren wieder einmal an die Burschlwand bei Landeck. Konni und Laura gingen zunächst die "Donna Dolores" - die vielleicht schönste Route an der Wand und als zweite Tour den "Pensionistenweg".

Die Rückfahrt ging wie von selbst; Konni war der letzte, den ich zu Hause ablieferte. Er stellte - rein rhetorisch versteht sich - die Frage nach einem Bier. Natürlich verlangte ein Tag so entspannten Kletterns einen würdigen Abschluß.

Konni brachte auch noch eine Brotzeit, er zeigte mir ein Stück Fels aus dem Gritstone und holte dann sein jüngstes Beutestück, einen eisenharten Brocken Sandstein von seiner Australienreise im ver­gangenen Winter.

Er erzählte dieses und jenes und natürlich blieb es auch nicht bei einem Weißbier.

Beim zweiten Bier wechselte ich das Thema. "Wir haben bei uns ja alle möglichen Kurse, was aber fehlt ist so etwas wie "behelfsmäßige Bergrettung" oder "was Tun im Unglücksfall". Was sollte man in so einem Kurs überhaupt zeigen und wovon besser die Finger lassen?

Konni stutzte kurz, und dann war zu merken, daß auch bei ihm ein Punkt berührt war, der ihn offensichtlich öfter schon beschäftigt und beunruhigt hatte. "Gerade für alle unsere Jungen - einen solchen Kurs würde ich sofort machen."



Wir kamen vom hundertsten ins tausendste und stellten fest, daß wir für dieses Thema wohl noch manches Bier benötigen würden, um ein Konzept dafür zusammenzustellen.

"Aber das vertagen wir auf ein anderes Mal - ich muß ja noch fahren." So verabschiedete ich mich, "wir sehen uns Montag".

Daß es ganz anders kam, läßt uns alle traurig und betroffen zurück.

Hans






August 2018...

Als Andrea und ich im Sommer 2010 die Route "Tears in Heaven" zum Andenken an Magdalena fertiggestellt hatten, war eines längst klar: es muß auch eine entsprechende Tour für Konni geben. Nur war das im Fall von Konni sehr viel schwieriger: ein so erfahrener und überregional bekannter Bergsteiger kann nicht mir "irgendeiner" Route bedacht werden. Es müssen dann schon "sehr schwer" und "sehr schön" zusammentreffen. Und so etwas will erst gefunden sein!

Die "Schwarze Wand" oberhalb der Höllentalangerhütte zählt zu den schwierigsten Wänden im Wetterstein und im weiten Umkreis. Die Felsqualität dort ist von der Kategorie "Traumfels". Franz Wagner und mir gelang nach Vorarbeiten in 2014, 2015 und 2016 im August 2018 die Fertigstellung einer Neutour im rechten Wandteil, die wir dem Andenken an Konni widmen.

Der Routenname war im Grund bereits klar, noch bevor wir das erste Mal ins Höllental hochliefen: Konni's fünfundzwanzigstes Tourenbuch, eben "das Jubliläumsbuch", das Buch, das nie geschrieben, nie begonnen wurde - das sollte den Namen der Tour hergeben.

Hans




zum Tourenbericht das Jubiläumsbuch